Philosophischer Essay zum Thema: "Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn…"

Essay by bea.thielCollege, UndergraduateA+, October 2007

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Philosophischer Essay zum Thema: „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde, nach dem Bilde Gottes schuf er ihn…“Im Christentum wird mit der Taufe dem einzelnen Menschen die Sinngebung zu gesprochen, von Gott geschaffen worden zu sein und nur seines Willens wegen zu existieren.

Eine Vorstellung von Gott haben wir alle. Gott ist allmächtig, vollkommen und für menschliche Verhältnisse unfassbar und unerreichbar. Doch hat auch ein jeder Mensch seinen Ursprung in Gott - so ist es in unseren Köpfen verankert, auch in den Köpfen derer, die sich gegen Gottes Wort wenden. Ist es jedoch möglich, von jemandem geschaffen worden zu sein, der perfekt ist und uns dennoch nach der Vorlage seiner selbst kreiert hat? Wären dann nicht auch wir perfekt?In der Bibel (1. Mose 1,26a) heißt es: „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei,…“. Im ersten Buch Mose, Kapitel 1, Vers 27 finden wir weiterhin: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn;…“.

Der Mensch ist also ein Stück von Gott – in des Wortes doppelter Bedeutung: von Gottgemacht und ein Teil Gottes. Der Mensch ist Teil der Schöpfung. Geschaffen von Gott, wie alles auf und außerhalb der Erde. Von den nicht mehr sichtbaren Welten im Universum bis hin zu den kleinsten Bausteinen unserer irdischen Materie. Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich nur ein Problem. Der Mensch, alles andere als perfekt, soll also Teil des perfekten Gottes sein. Wie ist das möglich? Und ist es überhaupt möglich?Dass der Mensch nicht perfekt ist, haben schon Philosophen vor einigen Jahrhunderten erkannt. Wie auch Johann Gottfried Herder (1744-1803), der den Menschen aufgrund seiner Unterentwicklung in verschiedenen Bereichen als Mängelwesen bezeichnete. Diesen Begriff griff Arnold Gehlen (1904-1976) erneut auf. Auch er bezeichnete den Menschen als Mängelwesen und begründete diese Erkenntnis mit der Primitivität, die sich aus der unverhältnismäßigen verlängerten Entwicklungszeit, der langen Hilflosigkeit in der Kleinkindphase und der späten Geschlechtsreifung des Menschen ergibt. Auch ich vertrete die Auffassung, der Mensch sei absolut unvollkommen. Er weist Charakteristiken auf, die im Tierreich weit besser ausgebildet sind, wie zum Beispiel das Seh – oder Hörvermögen. Und auch trotz seiner vermeintlichen, einzigartigen Intelligenz wirft das alltägliche Leben für ihn Fragen auf, die er sich allein mit Hilfe seines eigenen Verstandes nicht beantworten kann. Aus all diesen Gründen muss man zu der Einsicht kommen, den Menschen nur als unvollkommen betrachten zu können.

Die Perfektion Gottes begreifen und erfassen zu können ist für unsere Spezies auch nicht möglich, da dies den Horizont und die Denkleistung des Menschen überschreitet. Perfektion ist für uns nicht vorstellbar, weil wir selbst so weit von der Perfektion entfernt sind. Aus diesem Grund behauptet René Descartes (1596-1650) in „Meditationen über die Grundlagen der Philosophie – Über das Dasein Gottes“, dass der Gedanke des Menschen an das „höhere Wesen“ (Gott), nur von Gott selbst kommen kann. Der Mensch, als endliches Wesen, ist nicht in der Lage, eine Vorstellung von einem unendlichen, guten, höheren Wesen zu haben und daher hat Gott, als er den Menschen schuf, diese Imagination in das Wesen des Menschen eingebettet, sodass der Mensch letztendlich die Fähigkeit hat, seine eigenen Mängel zu erkennen, indem er sich mit der Vollkommenheit Gottes vergleicht.

Allerdings bin ich nicht der Meinung, Gott habe diese Fähigkeit in den Menschen „hineingepflanzt“, denn wenn der Mensch als Resultat tatsächlich eine Vorstellung von Perfektion hätte, wäre es für ihn auch in Einzelfällen möglich, zu dieser Perfektion zu gelangen. Schließlich ist er göttlichen Ursprungs. Doch die Realität sieht in der Tat anders aus. Niemandem gelingt es, Vollkommenheit zu erreichen, und das trotz idealer Vorraussetzungen. Wir tragen ein Stück Gottheit in uns und verfügen dazu auch noch über Wissen, wie Perfektion auszusehen hat. Und trotz alledem gelingt es uns nicht, unserem Schöpfer näher zu kommen. Warum ist das nicht möglich?Vielleicht, weil „Gott“ nur Ursprung unserer Phantasie ist. Wir schaffen uns einen perfekten und idealen Charakter, dem es gilt näher zu kommen. Ein Ideengebilde, das wir formen, um unsere Mängel erkennen und möglicherweise sogar ausgleichen zu können. Wir sehen Gott als ein optimiertes Spiegelbild, in das wir jeden Tag schauen. Wir bewundern uns selbst jedes Mal ein kleines Stück dabei, denn Gott steckt schließlich in uns.

Der Mensch ist also ein Wesen mit zwei Persönlichkeiten, schizophren, in dem er sich ein verbessertes Ebenbild geschaffen hat.

Gott hat also nicht den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen, sondern der Mensch hat sich Gott nach seinem Ebenbild geschaffen. Dies ist auch der Grund dafür, warum der Mensch so viele Mängel aufweist. Niemand hat ihn nach dem Vorbild der Vollkommenheit geschaffen, sondern diese Idee stammt aus seiner eigenen Phantasie.

sources: nothing except for the bible