Theodor Storm - Der Schimmelreiter (german)

Essay by PaperNerd ContributorUniversity, Master's September 2001

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Theodor Storm: Der Schimmelreiter Theodor Storm wurde 1817 in Husum geboren und studierte an der Universität Kiel. Er erhielt durch seinen Vater und seine Großmutter einen großen Märchenschatz vermittelt und war sehr tief in seine Heimat verwurzelt. Diese Heimatliebe kommt auch sehr stark in seinen Erzählungen zum Ausdruck. Er arbeitete als Rechtsanwalt und Justizbeamter wie sein Vater. Storm starb im Juli 1888 in Hardermarschen bei Husum. Andere Werke sind: Der Doppelgänger, Bötjer Basch, Ein Fest auf Haderslevhuus,... Seine bedeutendsten Novellen schrieb er in den 70er und 80er Jahren des 19.Jh.. Für sein Alterswerk "Der Schimmelreiter" verwendete er bei den Vorarbeiten 1885 zwei Chroniken, begann jedoch erst im Juli 1886 zu schreiben und beendete sein Werk im Februar 1888.

Die Novelle "Der Schimmelreiter" handelt von einem Mann, der auf seinem Ritt in die Stadt in ein Unwetter gerät und einer Gestalt auf einem Schimmel begegnet. Er hält an einem Wirtshaus, wo ihm folgende Geschichte erzählt wird: Ein gescheiter junger Knecht, Hauke Haien, der eigentlich die Arbeit des Deichgrafen macht, wird nach dessen Tod selbst in dieses Amt erhoben, weil er dessen Tochter heiratet und somit genug Land besitzt.

Um dem Gerücht, er sei nur seiner Frau wegen Deichgraf geworden, entgegenzuwirken, plant er den Bau eines neuen Deiches mit einem neuen Profil. Er findet wenig Zustimmung in der Bevölkerung, doch die Sache wird genehmigt. Zur selben Zeit breitet sich ein Gerücht aus, dass ein Pferdegerippe auf einer Hallig im Mondlicht lebendig wird. Nachdem Hauke eines Tages aus der Stadt mit einem verwahrlosten Schimmel nach Hause kommt, sei davon jedoch nichts mehr zu sehen. Man sagt das Tier wäre vom Teufel geritten. Nach neun Jahren Ehe schenkt seine Frau Elke ihm eine Tochter, Wienke, welche jedoch schwachsinnig ist. Die abergläubigen Arbeiter wollen vor Fertigstellung des Dammes etwas Lebendiges darin vergraben, doch als Hauke das sieht rettet er den jungen Hund und schenkt ihn seiner Tochter. Nach einigen Jahren verlangt der Deichgraf die Ausbesserung des Deiches, doch die Bevölkerung ist nur bereit einige gefährliche Stellen zu reparieren. Im Herbst des selben Jahres setzt eine unerwartete Sturmflut ein und die Bewohner wollen den neuen Deich abtragen, weil sie glauben so das Hinterland retten zu können, doch nicht der neue sondern der alte Deich bricht. Elke und Wienke ertrinken bei dem Unwetter vor Haukes Augen und er stürzt sich mit dem Schimmel zu ihnen in die Fluten. Der Zuhörer bedankt sich bei dem Erzähler und geht in sein Zimmer.

Seither soll der Schimmelreiter immer einen Dammbruch voraussagen.

"Der Schimmelreiter" ist eine so genannte Rahmennovelle. Zuerst schreibt Storm, wie er, als er noch jünger war, bei seiner Großmutter jene Geschichte las. Dann schildert er als "ich-Erzähler" die Geschichte des Geschäftsmannes, welcher wiederum die Geschichte des Hauke Haien erzählt bekommt. Das Thema ist der Mensch im Kampf mit dem Schicksal und der Aberglaube der Menschen. Immer wieder versucht der ehrgeizige Hauke sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und am Ende kommt er dem Schicksal zuvor und stürzt sich in die Fluten. Der Aberglaube kommt sehr gut zum Ausdruck, zum Beispiel an der Stelle, wo die Arbeiter den jungen Hund in die Grube werfen, oder als statt des Gerippes ein lebendiges Pferd auf der Jevershallig steht. Theodor Storm bediente sich zweifellos historischer Persönlichkeiten beispielsweise war Johann Iwersen Schmidt auch ein Deichgraf, der ertrank, weil er vom Pferd stürzte, und die Charakterzüge und das Leben Haukes stimmen mit denen anderer überein.